Thailand
Famulatur im Fang Hospital von Steffi Anwander (Universität Regensburg)
Nachdem ich im zweiten Semester meinen ersten, von den LEOs der Universität Regensburg organisierten Famulaturabend besucht hatte, stand für mich sehr schnell fest: „Sowas will ich auch unbedingt mal machen!“ Natürlich musste ich mich noch einige Semester gedulden bis ich konkrete Pläne schmieden konnte.
Gemeinsam mit einer Freundin aus meinem Semester entschied ich mich vor ca. einem Jahr für eine Famulatur in Nordthailand, weil wir beide noch nie in Asien waren und v.a. weil wir vom „Fang Hospital“, ca. 30km von der Grenze zu Myanmar entfernt, schon viele gute Erfahrungsberichte unserer Regensburger Kommilitonen gehört hatten, die nach ihrer Famulatur dort alle sehr begeistert zurückgekommen waren. Genau diese Studenten waren dann natürlich unsere Hauptansprechpartner für sämtliche organisationstechnischen Fragen. Der erste konkrete Schritt unserer Famulaturplanung war zunächst eine e-mail an den Chef der zahnärztlichen Abteilung des „Fang Hospital“, Dr. Surajit Norcome- von allen „Dr. Nid“ genannt, um abzuklären, ob und wann wir unsere Famulatur in den Sommersemesterferien des kommenden Jahres antreten können. Die positive Antwort kam sehr schnell, wir hatten Glück und konnten uns die Praktikumsplätze für den von uns vorgesehenen Zeitraum noch sichern und ab diesem Zeitpunkt problemlos alle Fragen per Internet abklären.
Dann mussten wir uns um Folgendes kümmern:
Organisation von Spenden:
Die meisten Dentalfirmen sind sehr großzügig, einfach anschreiben! Ihr könnt eigentlich alles mitnehmen, was an Dentalprodukten in Deutschland verwendet wird (Anästhesieampullen, Handinstrumente, Bohrer, Composite, GIZ usw.); wir waren überrascht und begeistert vom Standard am „Fang Hospital“!
Flug buchen:
Die LTU transportierte bei uns die Spenden nach vorheriger Anmeldung umsonst, unbedingt vorher abklären!
Visum beantragen:
Nötig ab einem Aufenthalt länger als 30 Tage, erhältlich beim Thai-Konsulat, z.B. in München, auch über den Postweg möglich!
Impfungen:
Ich war in der Impfsprechstunde an der Uniklinik Regensburg, um mich dort prinzipiell über gesundheitsschützende Maßnahmen zu informieren: Malariaprophylaxe als Standby mitnehmen (zum Beispiel „Malerone“), Moskitonetz und Insektenschutzmittel nicht vergessen und die Tollwut-Impfung wegen der vielen freilaufenden Hunde auffrischen lassen. Von der „Japan-Enzephalitis-Impfung“ wurde mir wegen der Nebenwirkungen und v.a. wegen nicht zwingender Indikation abgeraten.
Die thailändische Währung ist der „Baht“, knappe 50 Baht sind 1 Euro. Für Europäer ist Thailand insgesamt sehr preisgünstig, um nicht zu sagen spottbillig, was Lebensmittel, Restaurants, Souvenirs, Guesthouses,öffentliche Verkehrsmittel usw., betrifft.
Als es dann so richtig losging, waren wir schon sehr gespannt, was uns in der thailändischen Zahnklinik erwarten sollte…
Unser Flug dauerte ca. zehn Stunden von München nach Bangkok, dann hatten wir noch eine Stunde Inlandsflug von Bangkok nach Chiang Mai vor uns. Vom Flughafen dort fuhren wir für ca. 2,50 € zu zweit zur „Chang Puak Bus Station“, von wo aus die Busse ins Umland, u.a. auch nach Fang abfahren. Sehr zu empfehlen- und dem großen orangen „Public Bus“ vorzuziehen- sind die klimatisierten Minibusse bzw. „Vans“ mit elf Sitzplätzen, die die ca. 160km von Chiang Mai nach Fang in zwei bis drei Stunden zurücklegen und die Passagiere sicher und komfortabel problemlos direkt vor Dr. Nid’s „Private Clinic“ in der Hauptstraße von Fang bringen. Große Gepäckstücke werden aufs Dach geschnürt, aber, wenn nötig, gibt es auch eine Regenplane.
Am Sonntagnachmittag erreichten wir endlich Fang und marschierten erst einmal zum „Hospital“, das ebenfalls an der Hauptstraße nur einige hundert Meter von Dr. Nid’s „Private Clinic“ entfernt liegt. An der Pforte stellten wir uns vor und fragten nach Dr. Nid, worauf wir nach einigem Hin und Her wieder zu seiner „Private Clinic“ (das blaue Haus) geschickt wurden, wo er sonntags arbeitet. Wir wurden sehr herzlich begrüßt und vom ersten Moment an äußerst höflich und zuvorkommend behandelt. Dr. Nid führte uns gleich zu unserer Unterkunft im Dachgeschoss seines Hauses, in dem er seine Privatpraxis betreibt. Dort durften wir während unseres Aufenthaltes in Fang umsonst wohnen: Es handelt sich dabei um ein großes Zimmer mit Etagenbett, vielen Stühlen, einem Tisch, Ventilator und Balkon zur Hauptstraße (Oropax nicht vergessen!), das kleine Bad mit Dusche und WC befindet sich gleich nebenan, außerdem konnten wir die Dachterrasse mit wunderschönem Blick auf die umgebende Landschaft mit ihren Hügeln und tiefgrünen Reisfeldern, sowie die Küche- ein Stockwerk tiefer- mit Kühlschrank und Mikrowelle zusammen mit Dr. Nid’s „Dental Assistants“ nutzen.
Auch wenn Fang mit seinen ca. 10 000 Einwohnern keine Großstadt ist, kann man alles kaufen, was man braucht: Direkt gegenüber der „Private Clinic“ gibt es einen großen Lebensmittelmarkt, außerdem einige kleine Supermärkte in der Hauptstraße (auch der in Thailand allgegenwärtige „7 eleven“ ist mehrmals vertreten), sowie einen gigantischen „Tesco Lotus“-Supermarkt mit „Food Court“ gegenüber des „Fang Hospital“, so dass man wirklich keine Bedenken haben muss, irgendetwas (wie z.B. Toilettenartikel, Insektenschutzmittel) nicht zu bekommen.
Gleich am ersten Abend wurden wir von Dr. Pen, einer Zahnärztin, die sowohl im „Hospital“ als auch in der „Private Clinic“ mit Dr. Nid zusammenarbeitet und persönlich mit ihm befreundet ist, zum Essen eingeladen: Nach thailändischer Art bestellte sie gleich mehrere Gerichte für uns drei, so dass jeder von allem probieren konnte. Wir kamen sofort ins Gespräch und verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Nachdem sie uns nach Hause gebracht hatte, fielen wir erst einmal todmüde von der Reise und der ganzen Aufregung, aber auch sehr glücklich und zufrieden, ins Bett.
Am nächsten Morgen machten wir uns zum ersten Mal auf den Weg (knapp zehn Minuten) zu unserem Arbeitsplatz für die nächsten Wochen. Unterwegs wurden wir von allen Thais sehr neugierig, aber auch freundlich gemustert und begutachtet, da wir ganz offensichtlich die einzigen Ausländer im alles andere als touristischen Fang waren.
Im „Dental Department“ des „Fang Hospital“ angekommen wurden wir vom dortigen Personal sofort unheimlich liebenswürdig aufgenommen. Es gibt dort vier Behandlungseinheiten in einem einzigen größeren Raum, in dem sich auch die Rezeption befindet. Die Anamnese erfolgt am Eingangsschalter, wo dem Patienten auch gleich mal mit der Taschenlampe in den Mund geleuchtet wird, um sich einen ersten Überblick über sein Problem verschaffen zu können. Ein kleiner Hygieneraum befindet sich nebenan.
Das Team dort setzt sich folgendermaßen zusammen:
Es besteht aus drei Zahnärzten: Dr. Nid, Dr. Pen und Dr. Boong, der erst im April 2008 sein Examen in Chiang Mai gemacht hat und seitdem in Fang arbeitet. Außerdem gibt es vier sog. „Dental nurses“ mit Zusatzausbildung, die auch Füllungen legen, Zähne extrahieren und Scaling durchführen dürfen; sie sind es auch, die die Patientenanamnese abwickeln. Dazu gibt es noch fünf „Dental assistants“, die die Funktion einer Zahnarzthelferin haben.
Die drei Ärzte sprechen sehr gut Englisch, so dass eine problemlose Verständigung möglich ist. Auch das zahnärztliche Personal versteht zumindest das Nötigste bzgl. Instrumente usw. und fungiert v.a. als Dolmetscher für die Patientenkommunikation, da die meisten Thais in Fang kein Wort Englisch verstehen. Auch wenn die „Nurses“ und „Assistants“ nicht fließend Englisch sprechen, gab es nie Probleme, ganz im Gegenteil waren sie immer unglaublich bemüht, uns die Behandlung zu erleichtern und es machte sehr viel Spaß, mit ihnen arbeiten zu dürfen.
Während unseres Praktikums konnten wir konservierend behandeln, führten aber v.a. Extraktionen durch und konnten im Zusammenhang damit auch das Anästhesieren in allen Regionen praktizieren. Dr. Nid ist ein toller Lehrer, der uns weitgehend freie Hand ließ, auch bei schwierigeren Fällen, wie z.B. noch nicht durchgebrochenen Weisheitszähnen, der uns aber auch stets zur Seite stand, wenn wir mal nicht weiterwussten und ohnehin prinzipiell immer ein Auge auf uns und auch ein offenes Ohr für unsere Fragen hatte. Das Schöne ist, dass es ihm selbst tatsächlich auch sehr viel Spaß zu machen scheint, mit Studenten zu arbeiten. Er legte wirklich sehr viel Wert darauf, uns viel beizubringen.
Unsere täglichen Arbeitszeiten waren sehr angenehm:
Von Montag bis Freitag jeweils von 8.30Uhr bis 12Uhr und nachmittags von 13Uhr bis 15.30Uhr
Einmal nahm uns Dr Boong sogar mit in das schöne Bergdorf Ang Khang, wohin Dr. Nid einmal im Monat ein kleines Team aus dem „Hospital“ schickt, um die Menschen dort zu behandeln, die keine Möglichkeit haben, direkt nach Fang zu kommen. Ungefähr 45 Minuten dauerte die Fahrt dorthin- über steilste Serpentinenstraßen hoch zum dortigen „Hospital“, wo es kein „Dental Department“ gibt. Das Team (zwei „assistants“, eine „nurse“ und Dr. Boong) muss immer sämtliche Instrumente und Materialien mitnehmen und dort aufbauen, behandelt werden die Patienten auf Klappstühlen, ohne Sauganlage und nur mit unprofessioneller Stehlampe… Da wir mit solchen erschwerten Bedingungen zu kämpfen hatten, war es wirklich eine Herausforderung!
Im Laufe unseres Aufenthaltes fanden wir heraus, dass in Fang jede Woche abends am Dienstag und am Mittwoch vormittags ein Markt an der Hauptstraße entlang und auf der Wiese gleich hinter der „Private Clinic“ stattfindet, außerdem gibt es ein Freibad und wir konnten sogar den „Hospital“-eigenen Fitnessraum nutzen, um im Anschluss daran mit gutem Gewissen das köstliche Thaiessen genießen zu können. Sehr oft waren wir mittags im „Bird’s Restaurant“, das zwischen „Fang Hospital“ und Dr. Nid’s „Private Clinic“ liegt und von zwei Thai-Damen betrieben wird, die für wenig Geld vorzüglich kochen. Abends waren wir meistens im „Papermoon“, das sich gleich neben dem „Hospital“ befindet und gemeinsam Dr. Nid und Dr. Wit, dem Chef des „Hospitals“ gehört: Dort gibt es immer Live-Musik- neben hervorragendem Essen…
Dr. Pen lud uns sehr oft zum Dinner ein- das waren immer sehr unterhaltsame Abende…Wir waren in verschiedenen Restaurants in Thaton und Fang, die wir alleine gar nicht gefunden hätten. Gemeinsam waren wir auch beim Thai-Barbecue, wo jeder Tisch einen kleinen Grill für sich hat und man sich am Buffet frischen Fisch und Fleisch zum Grillen, sowie Beilagen holen kann.
Lohnenswert ist auch ein Ausflug ins malerische Thaton, das ca. 20km von Fang entfernt Richtung Myanmar am Mae Kok River liegt. Es ist problemlos und stressfrei in ca. 45 Minuten mit dem Sammeltaxi, das direkt vor der „Private Clinic“ hält, zu erreichen.
Am Wochenende fuhren wir meistens nach Chiang Mai (wir empfehlen dort das „Chiang Mai Thai House“ in der „Tapae Road“, „nahe dem Tapae Gate“: hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, mit Pool). Dort schauten wir uns die Stadt an, bummelten über den „Nightbazaar“, ließen uns massieren und machten einen Trekking-Ausflug mit Elefantenreiten & -show, Bamboo-Rafting, Dschungelwanderung und Baden im Wasserfall.
Abschließend kann ich nur sagen, dass unsere Famulatur ein voller Erfolg war: Thailand ist ein sehr beeindruckendes Land, das neben seiner wunderschönen Natur, neben seiner tollen Küche und Unkompliziertheit v.a. auch durch die generelle Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Aufgeschlossenheit der Bevölkerung beeindruckt. Konkret kann ich gerade das „Fang Hospital“ mit seinem „Dental Department“ unter Dr. Nid nur wärmstens weiterempfehlen- es lohnt sich auf jeden Fall, etwas abgelegener zu famulieren (in Fang steppt ja nicht gerade der Bär), dafür aber die Gelegenheit zu haben, viel selbstständig arbeiten zu dürfen und Thailand fernab des Tourismus kennenzulernen.
Falls ihr Fragen habt, schreibt mir einfach eine e-mail:
steffi.anwander@gmx.de

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