Wegweiser

Guadalupe

Famulatur in der Clinica Nuestra Señora de Guadalupe von Veronika Schwarz (Universität Regensburg)

GuadalupeSchon nach dem Physikum stand für mich fest, dass ich auf jeden Fall im Ausland famulieren wollte. Nach einem Bericht unserer LEO`s wurde die Sache dann konkreter. Da ich schon mal in Südamerika war und auch Bekannte in Ecuador habe, stand relativ schnell fest, dass ich dort wieder mal hin möchte. Im Internet hab ich mich dann über die „Clinica Nuestra Señora de Guadalupe“ informiert.

Nach fast 1 ½ Jahren Vorbereitungszeit war es dann endlich soweit. Ich saß im Flieger nach Quito und war wahnsinnig gespannt, was auf mich zu kommen würde. Gerade das 9. Semester mit Prothetik II hinter mir und nun stand wieder Kons auf dem Programm.

Nach gut 17-stündiger Reise waren wir ohne Probleme gegen 18 Uhr in Quito und sind mit dem Taxi zu Fam. Proaño gefahren, wo wir die Nacht verbracht haben. Am nächsten Morgen ging es mit dem Flieger nach Loja weiter. Da wir zu dritt waren, haben wir uns von Pater Georg ein Taxi organisieren lassen, das uns von dort aus nach Guadalupe gefahren hat. Das Wetter hat uns zwar mit Dauerregen begrüßt, aber allein die landschaftlichen Eindrücke waren faszinierend und die Fahrt war schon ein Erlebnis an sich (Erdrutsche sind bei dem Regen an der Tagesordnung…aber es gibt immer irgendwo nen Bagger, der die Straße wieder plan macht). In Guadalupe angekommen, sind wir sehr herzlich empfangen worden und die Residencia, in der die Volontäre untergebracht sind, ist sehr groß und für dortige Verhältnisse sehr komfortabel.

 

GuadalupeAm nächsten Tag ging es dann los mit dem Behandeln. Wir waren insgesamt 3 Studentinnen, eine Zahntechnikerin und eine Zahnärztin. Und unser Mädels-Team hat super zusammen gepasst. Wir durften sehr selbständig arbeiten, aber Gisela – die Zahnärztin – stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn wir Fragen oder Probleme hatten.

Anfangs hatte ich noch bissl Bedenken, ob ich mit meinem 3-Wochen-Intensiv-Spanischkurs zu Recht kommen würde, doch es ging besser als gedacht. Die Verständigung am Stuhl war nach 3 Tagen kein Problem mehr, da man ja immer die gleichen Vokabeln braucht und auch sonst hat man die Leute einigermaßen verstanden…ein „mas despacio, por favor“ war meistens sehr hilfreich. Und für alles andere war ja noch Lida da.

Das meiste, was zu tun war, waren Amalgam- und Kunststofffüllungen, Endos und Extraktionen. Leider sieht man sehr viele kariöse Zähne, v.a. auch bei Kindern, und es tut einem schon leid, wenn man bei so nem kleinen Kind dann nur noch extrahieren kann…es wäre daher sehr wichtig, noch mehr Prophylaxe zu betreiben.

Auch bekommt man sehr viele Anomalien zu sehen und viele Engstände, da KFO-Behandlungen natürlich für viele zu teuer sind.

GuadalupeVon der ganzen Erfahrung her gibt es für einen Studenten nichts Besseres. Man kann so viel behandeln und bekommt eine richtige Routine, die einem für später sicher sehr hilfreich ist. Ob das jetzt der Umgang mit den Patienten ist, der gesamte Behandlungsablauf oder die Entscheidungen, die man treffen muss. Das Schöne an allem ist, dass man von den Patienten immer mit einem Lächeln belohnt wird.

Neben den alltäglichen Dingen kommen einem dann auch so Sachen unter wie dass die Patienten schon mal auf dem Behandlungsstuhl einschlafen, dass eine Kopf-Platzwunde zur Versorgung auf dem Zahnarztstuhl landet oder dass man bissl improvisieren muss, wenn wieder mal der Strom ausfällt.

Die Wochenenden haben wir auf unterschiedlichste Weise verbracht. Wir haben einen Ausflug in den „Dschungel“ nahe der peruanischen Grenze gemacht, haben uns im „El Arenal“ mit Pool, Piña Colada und lecker Essen verwöhnen lassen (die Mutigen von uns haben auch Froschschenkel und „cuy“ gegessen), haben den Hausberg in Gummistiefeln erklommen und einen lustigen Austritt mit Pferden gemacht (die ecuadorianischen Sättel sind ein bisschen anders als bei uns).

Ich kann jedem nur empfehlen nach Guadalupe zu fahren, weil man nicht nur fachlich wahnsinnig viel lernt sondern auch sehr sehr netten Menschen begegnet, bei den Schwestern so gut aufgehoben ist und mit dem besten Essen versorgt wird und man die Möglichkeit hat, sich ein Stück Ruhe und Gelassenheit mit nach Hause zu nehmen.

Hier noch ein paar nützliche Infos:


 Flug

GuadalupeFür den Flug hab ich damals ca. 1300 Euro gezahlt. Bin mit IBERIA geflogen (von MUC nach Madrid und weiter nach QUITO) Ist am einfachsten, v.a. weil IBERIA 40 kg Freigepäck erlaubt. Zusätzlich brauchst man dann nen Inlandsflug von QUITO nach LOJA, der ca. 80 Dollar einfach kostet. Den besorgt Mercedes für einen, bei der man auch die erste Nacht verbringt und bei ihr direkt den Flug bar zahlt.

Um den Flug sollte man sich bald kümmern. Ich hab meinen 8 Monate vorher gebucht…die Flüge werden immer teurer, je später man bucht, v.a. wenn man im Sommer fliegt.

 

Spanisch

Man sollte sich zumindest Grundkenntnisse aneignen, um sich bissl zu verständigen…das freut auch die Schwestern der Clinica. Denn Gespräche am Essenstisch sind sehr erwünscht…Ich habe einen Kurs an der Uni gemacht und das hat zumindest für das wichtigste gereicht. Die Vokabeln am Stuhl, die auf der FCSM-Website zu finden sind, helfen einem beim Behandeln sehrt viel weiter.

Kleidung

Ich hatte meine eigenen Behandlungssachen dabei und das war viel zu viel. Es gibt in der Clinica ne große Sammlung an Hosen, Shirts und Kassacks und somit würde ich vielleicht nur eine Hose und ein Oberteil zum Behandeln mitnehmen und den Rest dort leihen. Waschen kann man ja auch.

Instrumente

GuadalupeEs gibt durch die ganzen Spenden eine gute Grundausstattung mit Bohrer, Diamanten etc. Auch sind normalerweise genügend Handschuhe und Mundschutz da, wobei das schon der Posten ist, der am ehesten ausgeht. Da sollte man sich schon ein paar Packungen mitnehmen zumal man ja nicht weißt, ob jetzt gerade S- oder M-Handschuhe unten sind oder die, die man gerne trägt.


 Wetter

Ich August war es sehr warm. Ich denk mal so an die 25°C. Es hat bei uns meistens einmal am Tag geregnet, aber da wird es dann auch nicht kälter. Von den Temperaturen her kann man sich dir ruhig auch kurze Sachen einpacken, aber vielleicht für die Clinica selber keine zu kurzen Hosen / Röcke anziehen, weil es einfach unhöflich den Schwestern gegenüber ist. Da sind dann so dreiviertel Hosen besser. Aber man macht ja auch Ausflüge und dafür ist "westliche" Kleidung dann schon ok. Wobei bei den Touren, die wir gemacht haben, lange Hosen von Vorteil waren, weil es ja doch Mücken und andere Tiere gibt...

Geld

Für Guadalupe nimmt man am besten viele kleine Scheine mit. Da es keine 2 Dollar Noten gibt, am besten viele 1 Dollarnoten. Ich hatte damals für die 4 Wochen ca. 650 Euro in Dollar dabei und das hat gut gereicht, sogar für den Inlands-Flug, den man ja noch zahlen muss. Man kann aber auch bei Amanda in der Clinica große Scheine in kleine umtauschen. Die freuen sich über Kleingeld. In den Läden im Ort kann man einfach nicht mit großen Scheinen zahlen, weil die nicht raus geben können und da ist eben alles so günstig, dass 1 Dollar Noten die beste Variante sind.

Ich hoffe, die Infos nützen euch und falls ihr weitere Fragen habt, dann einfach eine Mail an: vronischwarz@web.de